In Folge 46 des Data Navigator Podcasts geht es um Datenräume, digitale Souveränität und die Frage, wie Europa vertrauensvolle Dateninfrastrukturen schaffen kann.
Zu Gast ist Ulrich Ahle, CEO von Gaia-X und zuvor langjähriger CEO der FIWARE Foundation. Er verfügt über mehr als dreißig Jahre Erfahrung in der IT-Branche – unter anderem bei Nixdorf Computer, Siemens und Atos – und war zudem Ortsvorsteher von Etteln, dem „digitalsten Dorf Deutschlands“.
Im Gespräch erklärt Ulrich Ahle, warum Gaia-X kein europäischer Hyperscaler sein will. Ziel ist vielmehr der Aufbau eines Regelwerks und einer Open-Source-Infrastruktur, die dezentrale, vertrauenswürdige Datenräume auf Grundlage europäischer Werte ermöglichen.
Zentrale Bausteine von Gaia-X sind digitale Identitäten und ein Compliance-Framework mit verschiedenen Souveränitätsstufen. In der höchsten Stufe sollen nur europäische Anbieter die Anforderungen erfüllen können – insbesondere, um den Zugriff durch extraterritoriale Regelungen wie den US Cloud Act auszuschließen.
Ein praktisches Beispiel ist Catena-X, der Datenraum der Automobilindustrie. Besonders relevant ist hier der digitale Batteriepass, der ab dem 18. Februar 2027 verpflichtend wird. Er soll zahlreiche Informationen über den gesamten Lebenszyklus einer Batterie abbilden – von Rohstoffen über den CO₂-Fußabdruck bis zur Restkapazität. Datenräume können dabei helfen, komplexe Lieferketten transparenter zu machen und den Datenaustausch gegenüber bilateralen Lösungen deutlich zu vereinfachen.
Außerdem spricht Ulrich Ahle über die Rolle von Gaia-X bei der Umsetzung des Data Act. Die Verbindung aus Datenraumtechnologie und gesetzlichen Datenzugangsrechten könnte dazu beitragen, die Bereitschaft zum Datenteilen zu erhöhen. Denn in vertrauenswürdigen Datenräumen lässt sich technisch festlegen, wer Daten nutzen darf, wofür sie verwendet werden dürfen und für welchen Zeitraum.
Ein weiterer Schwerpunkt ist die internationale Entwicklung von Datenräumen. Da der Data Act nur in Europa gilt, globale Lieferketten aber grenzüberschreitende Datenflüsse erfordern, arbeitet Gaia-X an einer geografischen Erweiterung des Trust Frameworks – etwa mit Blick auf Japan, Korea, Kanada oder Brasilien. Auch China und verschiedene afrikanische Staaten beschäftigen sich mit vergleichbaren Konzepten.
Ulrich Ahles zentrale Botschaft: Die Technologie für Datenräume ist inzwischen weitgehend vorhanden. Entscheidend sind nun die praktische Anwendung, der operative Betrieb und tragfähige Geschäftsmodelle. Nur wenn Datenräume dauerhaft in den Markt gebracht werden, können sie ihre Wirkung für digitale Souveränität, Datennutzung und europäische Wettbewerbsfähigkeit entfalten.
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